SWIFT

Swift

Swift war der erste Mauersegler den ich aufgezogen habe. Ein aufmerksames älteres Ehepaar hat den Kleinen in dem Garten unterhalb ihres Balkons gefunden. Sie wussten auch wo das Nest der Mauersegler ist, nämlich unterhalb der Dachpfannen in einem kleinen Schlupfloch. Gefunden wurde er am 11.07.2010. Ich und mein Freund Thomas hatten nach unserem Abitur viele Wochen frei und daher Zeit einen kleinen Vogel aufzuziehen.  Abgeholt und mitgebracht hat den kleinen Swift mein Stiefvater, der im Kreis Gütersloh einer der Ansprechpartner für gefundene Tiere ist. Er hat mir kurz erklärt wie man einen kleinen Vogel füttert und ihm etwas zu trinken einflößt. Danach haben wir den kleinen Vogel übernommen und ihn Swift getauft.

Swift jung auf der HandEr war noch sehr klein und jung als er zu uns kam, wie ihr auf dem Foto gut erkennen könnt. Er war noch sehr, wie ich sagen würde, plüschig :). Seine Federn waren alle noch im Anfangsstadium und er sah alles in allem etwas unbeholfen aus. Mir fiel es am Anfang auch sehr schwer die große Pinzette so weit in den kleinen Vogel zu stecken. Damit ich sicherer wurde brauchte der kleine Vogel auf meinen Schoß  einen Namen. „Swift“ ist der englische  Begriff für Mauersegler. Es ist zwar nicht der originellste Name, da ja alle Mauersegler auch Swifts sind, aber passte zu dem ersten Mauersegler dem ich versuchte zu helfen.

Swift war nun Mittelpunkt in meinem und in dem Leben meines Freundes, da er alle zwei Stunden in der Zeit von 7 bis 22 Uhr gefüttert werden musste. Ausschlafen war also erstmal nicht mehr drin. Morgens war es auch sehr mühsam Swift zu füttern, denn wir waren selber noch sehr müde und er war es gerade am Anfang nicht gewöhnt von uns gefüttert zu werden. So haben wir oft genug fast zwei Stunden gebraucht und konnten als wir fertig waren wieder von vorne anfangen. Aber mit der Zeit wurden wir ein eingespieltes Team und Swift gewöhnte sich mehr und mehr an das Füttern mit der Pinzette. Außerdem entschädigt so ein kleiner Vogel mit jedem Pieps oder ersten Flügelschlag die Zeit, die man aufbringen muss.

Swift Schnabel auf  Swift guckt aus dem Fenster

Kleine Mauersegler wachsen bei guter Ernährung schnell und so kann man ihnen beinahe täglich beim Wachsen zusehen. Das ist wirklich faszinierend und fast unglaublich wenn man sich später die Bilder ansieht. Aus einem kleinen, plüschigem Vogel mit kurzen Flügeln wird ein wunderschöner Mauersegler der ein wenig einem kleinen Greifvogel ähnelt und mit einmal große sichelförmige Flügel bekommt:

Swift in Rolle  Swift im Gras  Swift im Gras älter  Swift älter auf Hand

Erst besteht der Tag eines jungen Mauerseglers nur aus Fressen, Schlafen und Geschäfte erledigen. Nach ein paar Tagen wird er dann unruhiger und läuft immer mal etwas durch den „Käfig“ oder wo sich sein Nest befindet. Wir haben Swift dann öfter mal draußen auf den Rasen gesetzt und ihn dort laufen lassen. In dieser Zeit sollte man unbedingt darauf achten, dass das Nest (also z.B. ein gerolltes Handtuch) in einem Behältnis ist wo der kleine Segler nicht raus kommt. Ein alter Vogelkäfig eignet sich zum Beispiel dafür, da man schnell auch den “Käfigaufsatz“ auf den Untersatz setzen kann. So kann man den Mauersegler auch mal kurz alleine lassen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern wie ich den kleinen Swift mit seinem Käfig vor ein Fenster gestellt habe und schnell Heimchen kaufen gefahren bin.

Swift habe ich größtenteils mit den mittleren Heimchen  gefüttert. Er hat einige Tage nach seiner Ankunft angefangen selbst zu fressen. Immer wenn man die Pinzette mit dem Heimchen über ihn gehalten hat nahm er sie eigenständig auf und fraß sie. Das war ein toller Fortschritt, der das Füttern erheblich erleichterte.

Swift füttern 1  Swift füttern 2  Swift fütter 3

Swift stand, wenn wir im Haus waren, meist vor einem Fenster und irgendwann fing er an mit den Flügeln zu schlagen. Er trainierte sie also schonmal. Ab diesem Zeitpunkt haben wir mit Swift auch auf der Hand Flugübungen gemacht. Das heißt, dass man mit dem Mauersegler auf der Hand eine „Schwung-Bewegung“ knapp über dem Boden macht. Eine genauere Beschreibung findet ihr in der Rubrik „Aufzucht“. Swift hat dann immer seine Flügel ausgebreitet und so wirkte es als wenn er fliegen würde. Nach ein paar weiteren Tagen ist er mit einmal abgesprungen und hat versucht zu fliegen. Zuerst habe ich mich sehr erschreckt, aber es war wirklich toll zu sehen. Er ist am Anfang nur ca. zwei Meter weit gekommen und hat sich nur knapp über dem Boden halten können, bis er dann immer tiefer gesunken und auf dem Boden geplumpst ist.

Swift Flugübungen am Fenster

Dieses Training haben wir nun mehrmals täglich durchgeführt und Swift wurde immer besser. Als wir gemerkt haben das ein langer Flur oder ähnliches nicht mehr gereicht hat haben wir mithilfe meines Stiefvaters in einem großen Gebäude in einem langen, großen Flur mit Swift weiterüben können. Hier haben wir in mit einem leichten Schwung nach oben in die Luft gleiten lassen. Mittlerweile konnte er schon gut die Höhe halten und nach kurzer Zeit schaffte er es sogar an Höhe zu gewinnen. Natürlich haben wir nie mehr als zwei bis drei Flüge am Stück gemacht und danach haben wir erstmal eine kleine Pause eingelegt. Insgesamt haben wir auch nur ca. zehn Testflüge gemacht. Richtig geflogen ist Swift somit das erste Mal am 26.07.2010. Geübt haben wir mit ihm in dem großen Flur zwei Tage lang. Danach waren wir uns sicher, dass er fliegen kann. Natürlich muss man nicht unbedingt so viel trainieren wie wir das bei Swift gemacht haben, denn im Nest haben die kleinen Mauersegler auch keine Möglichkeit vor ihrem Ausflug zu üben.

Weil wir wussten wo Swift aus dem Nest gefallen ist, wollten wir ihn dort auch wieder aussetzen. Grundsätzlich würde ich meine Zöglinge immer dort aussetzen wo auch andere Mauersegler sind. Wir waren zwei Mal nachmittags bei dem Ehepaar welches Swift gefunden hatte. Leider tauchten beide Male keine Mauersegler auf. Nun wollten wir umdisponieren und zwar hatten wir überlegt ihn in einen Vogelkasten zu setzen, aus dem er eigenständig herauskommen kann wenn seine Eltern oder andere Mauersegler auftauchen. Diesen Kasten hat mein Stiefvater daraufhin gebaut und wir sind einen Tag später noch einmal hingefahren. Als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten tauchten mit einem Mal zwei Mauersegler am Himmel auf. Jetzt ging alles ganz schnell! Meine Mutter und ich bezogen Stellung unten auf der Straße, falls etwas schief gehen sollte. Mein Freund sowie mein Stiefvater waren auf dem Balkon des Ehepaars, dort sollte auch der Kasten, der ja nun nicht mehr gebraucht wurde, aufgehängt werden. Direkt gegenüber von dem Balkon war eine Hauswand, daher hatten wir ein wenig Angst, dass er nicht schafft die Kurve zu fliegen. Aber wir mussten es versuchen, die Situation hätte nicht besser sein können, denn auch die Höhe des Balkons war wichtig für den Start in Swifts Freiheit. Umso höher, umso besser, da er so schon eine gewisse Höhe hat und es nicht schlimm ist falls er am Anfang an Höhe verlieren sollte. Mein Stiefvater nahm Swift in beide Hände und warf ihn in Richtung Himmel vom Balkon. Wir alle haben für einen Moment die Luft angehalten…

Swift verlor nur etwas an Höhe, flog aber direkt auf die Hauswand zu. Doch kurz vor ihr machte er eine Kurve und gewann dann rasant an Höhe. Genau in diesem Moment stürzten die beiden Mauersegler fast im Sturzflug zu Swift herunter. Sie schrien „Sriieehh, sriieehh“ und es schien als wenn sie ihn abholen um ihn dann mit nach oben zu „tragen“. Alle drei flogen ein paar Runden und plötzlich tauchten noch drei weitere Mauersegler auf. Es war wirklich unglaublich und so schön, sodass ich weinen musste. Aber das unbeschreiblichste war als sich einer der Mauersegler aus der Gruppe löste und auf mich und meine Mutter zuschoss. Er flog ca. zwei Meter über unseren Kopf hinweg und schrie „Sriiieeeeeeeh“. Es klingt wirklich wie ein Märchen und ich kann es heute selbst noch kaum glauben was damals geschah. Aber eins kann ich mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit sagen: Dieser Mauersegler war Swift und es schien als wenn er glücklich wäre und wie als wenn er sich bedanken würde. So einen Moment erlebt man nur einmal im Leben und noch heute denke ich an ihn zurück, denn es war einer der schönsten Momente meines Lebens!♥

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