Little WHITY

Little Whity auf der Hand->hier gehts zur Vorgeschichte
Am Telefon gab ich erste Anleitungen zu dem kleinen Segler. Wie er in den Hausflur gekommen war konnten sich meine Bekannten nicht erklären. Sie versuchten also ob er schon fliegen konnte, was nicht der Fall war und gaben ihm dann etwas Wasser. Im Anschluss machten sie sich direkt auf den Weg zu mir.

Der kleine Mauersegler war schwach und hatte deshalb die Augen die meiste Zeit geschlossen. Ich gab ihm nochmals etwas Wasser und dann fing ich wie gewohnt zu füttern an. Natürlich gab ich ihm nicht so viele Heimchen wie den ausgewachsenen Mauerseglern. Er fraß und danach machte er erstmal Pause. Er war sehr erschöpft. Wir vermuteten, dass er aus dem Nest geflüchtet war weil seine Eltern nicht genug Futter bringen konnten. Das Jahr 2012 war für Mauersegler, wie auch für andere Vögel schwierig. Sie fanden nicht genug Futter oder ließen ihre Kinder längere Zeit allein im Nest, während sie die Schlechtwetter-Fronten umflogen.

Little Whity schwachWenn man Swift und Whity vergleicht fällt auf, dass die Federn des kleinen Whity weißer sind als die von Swift. Durch seine Färbung gab ich ihm seinen Namen:
Little Whity.

Whity war sehr ruhig und in den ersten Tagen schlief er die meiste Zeit. Dann als er sich erholt hatte fing er an loszulaufen. Ab diesem Zeitpunkt musste ich immer den Käfig auf den Untersatz machen, da er einfach loslief und auch die Kante des Untersatzes kein Hindernis war. Wenn er es schaffte plumpste er auf den Boden und lief weiter und weiter. Es war wirklich niedlich mit anzusehen und wir erlaubten uns den einen oder anderen Spaß, dass er deshalb aus dem Nest gefallen war.Little Whity mit dem LeckerliballIch habe mich wirklich gefreut, dass es Whity augenscheinlich besser ging. Durch einen Zufall fand ich heraus wann der Kleine ruhig und zufrieden war:

Little Whity in der JackeBeim Füttern wanderte Whity ähnlich wie in seinem Nest einfach los und blieb erst ruhig sitzen als er in meiner Pullover-Jacke angekommen war. Er kroch immer und immer wieder unter die Jacke. Es musste wohl warm und gemütlich dort drin sein. Aufgrund dieser Entdeckung haben wir Little Whity ein Tuch in seinen Käfig gehängt. Es war groß genug das er sich in ihm verstecken konnte, so wie in meiner Jacke. Natürlich darf es kein Tuch sein, was Fäden zieht in denen sich der Segler verheddern könnte.

So sieht man, dass jeder Mauersegler anders ist. Whity war zufrieden wenn er in etwas Höhlenähnliches  krabbeln konnte. Also seid aufmerksam, denn man kann die Aufzucht eines Vogels nicht pauschalisieren. Jeder Vogel benötigt individuelle Zuwendung.

Little Whity war älter als Swift, was sich auch an seinem Gefieder, Größe und Flügel- bzw. Schwanzlänge zeigte. Deutlich wurde dies auch als Whity schon nach kurzer Zeit anfing Flugübungen zu machen. Er sprang nicht nur von der Hand ab, sondern fing auch am Boden sitzen an zu flattern und bewegte sich so schnell über dem Boden vorwärts. Abheben konnte er aber noch nicht. Diese Flugübungen wurden von Tag zu Tag mehr und besser.

Little Whity entwickelte sich gut und schon nach etwas mehr als einer Woche ist er bereit gewesen auszufliegen. Jedoch war das Wetter nicht passend. Es war so schlecht, dass die meisten ausgewachsenen Segler weg waren, um die Schlechtwetter-Front zu umfliegen. Wir kamen ans überlegen, da wir am 21.07.2012 in den Urlaub nach Wangen im Allgäu fahren wollten und Little Whity am liebsten wie Swift bei seinem Nest frei gelassen. Das Wetter wurde nicht besser, also entschieden wir uns den kleinen Whity mitzunehmen und ihm so 600 Kilometer Vorsprung vor seinen Kollegen in Gütersloh zu verschaffen.

Auf der Autofahrt lief alles gut. Wir haben nur zweimal Pause gemacht, da ich ihn sonst im Auto füttern konnte. In Wangen hatten wir von zu Hause aus Heimchen im örtlichen Tierfachhandel vorbestellt. Diese wollte ich am nächsten Tag abholen, jedoch waren sie noch nicht da. Leider gab es auch keine Alternativen wie zum Beispiel Mehlwürmer. So musste ich den einen Tag wohl mit den noch vorhandenen Heimchen überbrücken. Am nächsten Tag fuhr ich schon früh morgens wieder zu dem Tierhandel, doch es waren immer noch keine Heimchen geliefert worden und die Verkäuferin die ich fragte konnte mir auch keine Lieferzeit nennen. Ich stand in dem Laden und hätte am liebsten gesagt: „Toll und wie soll ich jetzt meinen kleinen Mauersegler weiter aufziehen?“

Füttern mit FliegeAlso machte ich weiter mit meinen letzten Reserven und als die so gut wie aufgebraucht waren meinte mein Stiefvater, dass wir doch einfach Fliegen einfangen könnten, schließlich waren wir ja auf einem Bauernhof. Tja, so war es dann auch! Alle machten sich mit einem Glas bewaffnet auf um Fliegen einzufangen und mein Freund fing diese dann wiederrum mit der Pinzette aus den Gläsern um sie Whity zu geben. So überbrückten wir auch den letzten Tag, denn am nächsten Tag kündigte sich besseres Wetter an.

Little Whity im RucksackNun war der große Tag gekommen. Morgens fingen wir nochmal einige Fliegen und ich gab Whity zum letzten mal Nahrung. Nach dem Frühstück packten wir alles zusammen. Whity kam in einen alten Rucksack meines Hundes. Er hat Luftlöcher und ist weich, sodass er sich nirgendwo verletzen konnte und des Weitern war es die beste Methode um ihn eine Stecke zu Fuß zu transportieren.

Das Wetter war wirklich super und wir waren guten Mutes, dass Little Whity heute in Freiheit entlassen werden konnte. Wir liefen am Stadtrand entlang auf eine Wiese zu über der wir Mauersegler vermuteten. Zudem war am Rand der Wiese ein kleiner Hügel, von dem wir Whity optimal starten lassen konnten. Also setzten wir uns auf den Hügel und beobachteten den Himmel. Ich hatte Whity ca. eine Stunde vorher noch einen kleinen Snack gegeben, aber direkt vor seiner Freilassung wollte ich ihm keine Nahrung mehr geben, damit er gut starten konnte.

Plötzlich erschien ein großer Schwarm Mauersegler und wir fingen an uns bereit zu machen, doch dann rief mein Stiefvater plötzlich aus: „Stopp, da ist ein Bussard!“. Kurz darauf waren alle Mauersegler verschwunden und der Bussard drehte alleine seine Runden über der Wiese. Nach einigen Minuten war auch er wieder verschwunden. Nun dauerte es auch nicht mehr lange bis der Schwarm Mauersegler wieder am Himmel auftauchte. Das war ein toller Anblick! Der Himmel war voll mit sichelförmigen Vögeln, die nahezu nur am Gleiten waren. Sie nutzten jeden Luftaufschwung und schienen so kaum mit den Flügeln zu schlagen. Hier zeigte sich die ganze Faszination, die diese Vögel haben.

Jetzt ging es los. Wieder sollte mein Stiefvater den kleinen Segler starten lassen, daher nahm ich Little Whity aus dem Rucksack und übergab ihn. Ich zückte meinen Fotoapparat, um diesen Moment festzuhalten. Mit einem kräftigen, aber vorsichtigen Wurf in die Höhe entließ mein Stiefvater Whity in die Freiheit. Mir gelang dieser Schnappschuss, auf den ich sehr stolz bin:

Freilassen von Little WhityWie Swift verlor Whity erst einmal an Höhe und wir zitterten mit. Dann flog er eine Rechtskurve und schien so einen Luftstrom zu kreuzen. Dadurch gewann er rasant an Höhe und war schnell bei den Mauerseglern am Himmel angekommen. Ein Segler löste sich aus der Gruppe und traf sich mit Whity in der Luft. Nach dieser stürmischen Begrüßung war Little Whity in der Gruppe angekommen und flog inmitten des Schwarms. Trotzdem erkannte man den jungen Mauersegler unter seinen Artgenossen, denn er flatterte viel mehr mit seinen Flügeln und konnte noch nicht so elegant segeln wie die anderen. Wir beobachteten den Schwarm noch einige Zeit. Immer wieder verschwanden alle, also auch der kleine Whity, in Richtung Stadt und tauchten wieder auf um die Insekten über der Wiese zu fangen. Es war sehr berührend das Little Whity so aufgenommen wurde und ich war froh, dass seine Freilassung so geklappt hatte.

Wieder ein geretteter Mauersegler mehr auf der Welt!♥

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